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Archäometrie - Bauhistorische Untersuchungen an der Alten Dorfkirche

„Archäometrie“ bezeichnet die Untersuchung von historischen Materialien mit naturwissenschaftlichen Methoden. In den Jahren 2005 bis 2008 hat das Ehepaar Prof. Dr. Hanna Löhmannsröben und Prof. Dr. Hans-Gerd Löhmannsröben  archäometrische und kulturhistorische Untersuchungen in der Alten Dorfkirche Golms ermöglicht und begleitet. Bei den „Golmer Tagen der Archäometrie“ wurden Ergebnisse vorgestellt und das Zusammenwirken von Menschen aus Praxis und Wissenschaft, Kirche, Politik und Personen initiiert, die sich für das älteste durchgehend genutzte Gebäude Potsdams interessieren. Mittels dieser Untersuchungen wurden zahlreiche neue Erkenntnisse gewonnen. 

Die Spur der Steine
Woher stammen die Findlinge in der Mauer der Alten Dorfkirche in Golm

„Milliarden Jahre altes Baumaterial (?) am Beispiel der Alten Kirche Golm“, so hieß der Vortrag Professor Uwe Altenbergers vom Institut für Geowissenschaften der Universität Potsdam im Rahmen der archäometrischen Untersuchungen unserer alten Dorfkirche. Mittels Thermolumineszenz und Dendrochronologie wurde das Alter verschiedener Baumaterialien, des Mörtels, der Ziegelsteine und der Balken, bestimmt und so den verschiedenen Bauphasen der Alten Dorfkirche ein Alter zugewiesen (OTZ 2019/1). Doch nicht nur Backsteine und Holz wurden verbaut. Auch die vor Ort gefundenen Findlinge wurden von den Baumeistern für den Bau des Fundamentes des älteren Teils der Kirche verwendet und auch in die Wand integriert. Dies kann man an zahlreichen Stellen auch mit den eigenen Augen begutachten, denn der vermutlich in den sechziger Jahren aufgebrachte Putz bröckelt an vielen Stellen inzwischen ab. Um das alte Gemäuer wieder trocken zu bekommen, wird der Kirchbauverein im nächsten Jahr den angeschwemmten Sand auf der Südseite, zum Friedhof hin, abtragen und dabei auch die Grundmauern sichten und sichern. Vielleicht bestanden die Grundmauern unter dem östlichen Teil des Kirchleins schon bei dem Vorläufergebäude, das 1289 erstmals schriftlich erwähnt wurde, aber sicherlich auch da schon etwas älter war (Golmer Ortsteilzeitung 2018/1).

„Woher stammen diese Findlinge?“ Dieser Frage ging Herr Prof Altenberger nach. Es ist klar, dass es sich um Steine handeln muss, die die Gletscher der Eiszeiten mitgetragen und rundgeschliffen haben. Solche Findlinge nennt der Fachmann erratische Gesteine. Die ganze uns umgebende Landschaft ist ein Produkt der letzten Eiszeit. Mehrere Eiszeiten sind über unser Gebiet hinweggezogen und haben das Land mit Gletschern bedeckt, sind dabei auch immer wieder vorgestoßen oder haben sich zurückgezogen und haben dabei Schutt, Sand und Steine zurückgelassen. Beim Abtauen des Eises blieben sie dann hier liegen. Die letzte Eiszeit dauerte 100 000 Jahre und endete in Golm vor etwa 12 - 16.000 Jahren. Gewaltige Wassermassen flossen an den Eisrändern entlang und formten die Urstromtäler, etwa das Baruther Urstromtal, das unseren Reiherberg umfloss, einen Kermes, den ein Gletscher zurückgelassen hat (Golmer Ortsteilzeitung 2014/2).

Ein Geologe kann an Steinen erkennen, welche Geschichte, also welchen Bildungsprozess und Lebenszyklus sie hinter sich haben. Ob es sich um Grundgesteine, magmatische Gesteine, Sedimentgesteine, metamorphe Gesteine und vieles mehr handelt. Die Zusammensetzung der Steine aus ihren Bestandteilen, den verschiedenen Mineralien und deren jeweiligen Anteilen ist für den Fachmann ebenso charakteristisch wie ein Fingerabdruck.

Unter dem bröckelnden Putz wird eine ganze Anzahl von Findlingen unterschiedlichster Herkunft und Alters sichtbar, wie in der Übersichtskarte dargestellt. Fast kein Stein gleicht dem anderen. Besonders hingewiesen sei auf einen Migmatit in der Südwand, ein Gestein, das gerade mit dem Schmelzprozess während der Subduktion begonnen hat. Migmatite kann man auch bei einigen Grabsteinen finden, denn geschliffen bietet dieser rötliche Stein sehr schöne farbliche Strukturen. Dieser Stein gehört dem schwedisch-norwegischen Gneis an und stammt aus Gebieten im südwestlichen Schweden und ist zwischen 900 Millionen und 1,2 Milliarden Jahren alt. In der Ostwand findet sich ein Augengneis, ein besonders typisches Gestein aus dem Südwesten Schwedens, etwa 80 km südlich von Göteborg, der zwischen 900 und 1,7 Milliarden Jahre alt ist. In der Ostwand finden sich unter anderem ein rötlicher (Alkali-) Granit, ein magmatisches Gestein. Unser Stein gleicht Steinen, wie sie in einem engen Streifen südlich vom Vättern See in Schweden bis an die Ostsee gefunden werden. Dieser Streifen ist der 1,65 bis 1,8 Milliarden Jahre alte transskandinavische magmatische Gürtel. Weiterhin finden wir in der Nordwand einen großen helleren Findling, bei dem es sich um einen Quarz-Diorit, nicht weit davon entfernt ein Meta-Quarz-Diorit. Beide können dem zentralen baltischen Schild zugeordnet werden und sind ca. 1,9 Milliarden Jahre alt. Ein kleinerer Stein in der Ostwand ist ein Rapakiwi-ähnlicher Porphyr. Rapakiwi Plutone sind typisch für die zwischen Schweden und Finnland gelegene Insel Åland und die benachbarte finnische Küste und etwa 1,6 Milliarden Jahre alt. Auch der Mörtel an der Wand enthält Mineralien. Diese Sande und Mineralien enthalten 100 Millionen Jahre Einsprengsel aus Feuerstein, die aus dem Bereich der schwedischen Inseln Gotland und Öland zu uns getragen wurden.

Es ist faszinierend zu wissen, woher die Feldsteine stammen, die die damaligen Baumeister in die Wand unserer Alten Dorfkirche eingefügt haben; welches Alter sie haben und welche „Lebens“-Geschichte, die mit dem Eis zu uns getragen wurde. Es wurde in der Tat Milliarden Jahre altes Baumaterial verwendet.

 

Die Alte Golmer Dorfkirche: Wie alt ist sie denn nun?

Mit der Ersterwähnung Golms 1289, die sich in diesem Jahr zum 730-sten Male jährt, wurde schon unsere Alte Dorfkirche genannt. Im Eingang der Kaiser-Friedrich-Kirche befindet sich ein Grabstein aus der Alten Dorfkirche mit den Jahreszahlen 1449 und 1469. Vor 570 Jahren fand hier die Grablege des Claus von Schönow und zwanzig Jahre später die seiner Gemahlin Margarete von der Groeben statt. Grablege und der Grabstein sind ein eigenes Kapitel der Archäometrie und folgen später. Zwei Methoden wurden angewandt, um Hinweise auf das Alter von Gebäudeteilen zu finden. Zum einen die Dendrochronologie und zum anderen die Thermolumineszenz.

Den Baumstamm umgibt ein dünnes lebendes Gewebe, das Kambium. Es scheidet nach außen Bast und Borke (die Rinde) und nach innen Jahr für Jahr Holz ab. Diese Holzbildungen sind als Ringe erkennbar. In guten Jahren sind die Ringe breit, in schlechten dünn. So stellen sie eine Art Wetterarchiv dar, sind aber eben in ihrer Abfolge dann auch unverwechselbar, denn alle Bäume einer Region zeigen ein vergleichbares Muster – ähnlich einem Barcode. Dendochronologen (von griech.: déndron, der Baum und chrónos, die Zeit) konnten so ein Ringmuster über hunderte und tausende von Jahren anlegen, indem überlappende Ringmuster kartiert wurden, so genannte Jahrringreihen, die es auch für das Havelland gibt. Von den Balken im Dachstuhl unserer Alten Dorfkirche wurden nun Bohrproben genommen und im Labor die Abfolge der Jahresringe bestimmt und mit der Jahrringreihe verglichen. Dabei wird immer versucht an einem Balken die sogenannte Waldkante zu finden, also ein Bereich in dem die Rinde noch erkennbar ist. Denn dann kann man sicher sein, dass man das Fälljahr des Baumes bestimmen kann, aus dem der Balken gefertigt wurde (siehe Abbildung). An zehn Stellen konnten zweifelsfrei die Fälldaten bestimmt werden: 1454, 1457 und zweimal 1459; dann 1578, 1778 und eine vierte Gruppe mit 1805, 1807 und 1810 sowie ca. das Jahr 1839 für die Deckenschalung. Balken wurden auch wiederverwendet, da ältere Balken sich auch in neueren Bereichen finden. Sicherlich blieben die Balken nicht jahrelang liegen, sondern wurden bald nach Fällung verwendet.

Auch andere Gebäudeteile können in Abwesenheit schriftlicher Quellen ihr Alter verraten. Quarz, wie er in Sand vorkommt, kann Energie „speichern“, indem Elektronen zwischen dem Valenz- und Leitungsband (Silizium ist ein Halbleiter) wie in einer Falle festgehalten werden. Die Energie zum „Anheben“ der Elektronen kommt aus der natürlichen Hintergrundstrahlung durch überall vorhandene radioaktive Elemente und der kosmischen Höhenstrahlung. Licht, etwa wenn ein Sandhaufen in der Sonne liegt, löscht diese gespeicherte Energie und die Elektronen fallen in den unangeregten Ausgangszustand zurück. Wird etwa Mörtel verbaut oder werden Backsteine gefertigt und bleiben fortan im Dunkeln, sammelt der Sand darin diese Energie an. Nimmt man nun Materialproben aus dem Mauerwerk, natürlich im Dunkeln, und erwärmt diese im Labor nach Aufreinigung des Quarzes langsam auf bis zu 400°C, dann gibt der Quarz die Energie in Form eines UV-Leuchtens (Lumineszenz) ab, das man bei 290 bis 370 nm Wellenlänge messen kann. Das menschliche Auge sieht etwa von 380 bis 780 nm. Je länger die Zeit, desto mehr Energie wurde gespeichert, desto stärker das Signal. Diese Werte sind nicht exakt, sondern weichen in unseren Proben um 25 bis 60 Jahre nach oben oder unten ab. An verschiedenen Stellen wurden Materialproben entnommen (siehe Abbildung) und 17 Alterswerte konnten bestimmt werden. Alte Dachsteine, die im Turm gelagert waren, stammen noch aus dem Jahr 1250 (also noch vor der ersten schriftlichen Erwähnung!), 1321-1395 und 1439. In der Apsis und dem Altarsockel fand sich Material von ca. 1550 mit einer Ungenauigkeit von plus/minus 60 Jahren und im Turmbereich von ca. 1775 plus/minus 25 Jahren. Letzteres passt gut zu den historischen Schriftquellen, die eine Erweiterung des Kirchleins in den Jahren 1779-1780 inklusive eines Turmneubaus belegen. Die Daten im Apsisbereich liegen später als die Grablege, so dass wahrscheinlich die Apsis erst später in Stein ausgeführt wurde und nicht im Zusammenhang mit der Grablege steht. Die Balken im Dachstuhl sind teilweise älter als die Steine und Mörtelreste, sodass man annehmen kann, dass das vorhandene Fachwerk der Wände später bis auf die Balken entfernt und dann durch Steinmauern ersetzt wurden, wobei möglicherweise das Dach stehen blieb. In der Mauer sind die verrotteten Überreste der alten Fachwerksbalken noch erhalten. Dafür spricht auch die Art der Fundamente. Unter beiden Bereichen bestehen die Fundamente aus großen Findlingen (bis 80 cm Durchmesser). Diese Fundamente könnten tatsächlich der älteste erhaltene und später überbaute Teil der Kirche sein.

In Summe kann man vermutlich vier Bauphasen herleiten. Gleich nach der Besiedlung durch Deutsche wurde wahrscheinlich eine einfache Fachwerkkirche errichtet. Im 15. Jahrhundert und 16. Jahrhundert wurde die Apsis in Stein ausgeführt und später dann ebenfalls Teile der Seitenwände, was man gut an den Baunähten im Gebäude erkennen kann.1779-1780 wurde die Kirche nach Westen hin vergrößert, ein vorhandener Turm abgetragen und ein neuer Turm gebaut. Die Fundamente in diesem Bereich bestehen aus sauber gemauerten Ziegelsteinen. Nach 1810 wurde ein Teil des Dachstuhls erneuert und 1839 die Deckenschalung mit aufgemalten Kassetten (Schinkeldecke) eingebracht. Sicherlich wurde darüber hinaus zu jeder Generation an der Alten Golmer Dorfkirche herumgewerkelt und repariert. Nun ist es an uns, den Verfall dieses alten Gemäuers aufzuhalten. Zum Weihnachtsmarkt konnten die Besucher erleben, dass das alte Gemäuer, mitgenommen wie es ist, immer noch Würde und Wärme ausstrahlt.

Oben ein Schnitt durch die Alte Dorfkirche. Die dendrochronologische Altersbestimmung der Balken im Dachstuhl ist angefügt sowie farblich angedeutet die verschiedenen Bauphasen. Unten links eine Aufsicht auf die Alte Dorfkirche mit farblicher Markierung der Bauphasen sowie unten rechts die Zuordnung der Thermolumiszenzaltersbestimmung den Sammelstellen zugeordnet.

Referenzen:
Andreas Kitschke, Die Kirchen der Potsdamer Kulturlandschaft (2017) Lukas Verlag, ISBN 978-3-86732-248-5
Prof. Dr. Karl-Uwe Heussner, Untersuchungen zur Dendrochronologie, Deutsches Archäologisches Institut, Referat Naturwissenschaften & Dendrochronologie, Berlin
Dr. Tilo Schöfbeck Bauforschung, Untersuchungen zur Dendrochronologie, Archäologie und Dendrochronologie (http://www.bauforscher.de)
Dr. Christian Goedicke, Untersuchungen zur Thermolumineszenz, Rathgen-Forschungslabor, Staatlichen Museen zu Berlin / Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Berlin
Johannes Gräbner, Vorsitzender Kirchbauverein, Untersuchung der Fundamente

Die Golmer Dorfkirche: Zeuge der langen Geschichte unseres kleinen märkischen Dorfes

Am Nordrand des Reiherberges, wo Reiherbergstraße und Geiselbergstraße zusammenstoßen, steht auf dem Friedhof der Gemeinde die schlichte alte Kirche des Dorfes Golm. Bis zum Bau der Neuen Kirche, der Kaiser-Friedrich-Kirche, hieß sie vermutlich einfach für die Dorfbewohner „unsere Kirche“ oder „Golmer Kirche“. Unter dem erst in den 1960er Jahren angebrachten und jetzt sehr schadhaften Rauputz sieht sie heute zugegebenermaßen eher wenig ansprechend aus. Das Gebäude ist ein einfacher Backsteinbau. Teilweise wurden Feldsteine mit verbaut, vor allen Dingen im älteren Teil des Gebäudes aus dem 15. Jahrhundert. Doch ist dieses unscheinbare Gebäude unseres Wissens nach das älteste dauerhaft genutzte Gebäude in Potsdam und mit Sicherheit in Golm. Das Kirchenschiff des schlichten und in seinem Kern romanischen Baus ist wie bei katholischen Kirchen des Mittelalters üblich genau in Ost-West-Richtung ausgerichtet, mit dem Chor und Altar nach Osten, dem Sonnenaufgang als Symbol der Auferstehung entgegen. Der Haupteingang liegt im westlich angeordneten Glockenturm. Der jetzige Turm wurde aber erst in einer späteren Erweiterung im 18. Jahrhundert angesetzt, doch darüber mehr in einem späteren Bericht.

Obwohl äußerlich vielen einfachen Dorfkirchen in der Mark sehr ähnlich, etwa auch der viel jüngeren Kirche in Nattwerder oder der Kirche in Saaringen bei Brandenburg, ist unsere Golmer Kirche doch sehr viel älter. Sie wird erstmals im Zusammenhang mit der Ersterwähnung Golms im Jahre 1289 benannt, als die Einkünfte der Kirchen der Dörfer Bornim und Golm zum „notwendigen Gebrauch“ dem Klosters Spandau übertragen werden. Dieses Benediktinerinnenkloster St. Marien in Spandau wurde 1239 von den askanischen Markgrafen Johann I. von Brandenburg und Otto III., dem Frommen, gegründet, um „ein religiöses und kulturelles Zentrum für die Mittelmark zu schaffen“. Es lag südlich außerhalb der Mauern der Stadt Spandau und hatte das Patronat über zahlreiche umliegende Kirchengemeinden inne, eben wohl auch Golm. 1636 wurde das Kloster abgerissen und nur der Berliner Nonnendamm und die Spandauer Klosterstraße erinnern heute noch daran.

Man kann aber annehmen, dass Albrecht der Bär nach der Eroberung der Brandenburg am 11. Juni 1157 und damit der Entstehung der Mark Brandenburg Mitstreitern Ländereien überließ, die dann die ansässigen Adelsgeschlechter bildeten. Der Markgraf, wie Albrecht der Bär sich dann nannte, holte zudem nach einer Pilgerreise mit seiner Gemahlin ins Heilige Land ab 1159 Handwerker und Bauern in die Mark, insbesondere aus der Altmark, dem östlichen Harzvorland, Flandern und den Rheingebieten sowie aus Holland, um das neu gewonnene Gebiet planmäßig zu besiedeln. Gerade Flandern und Holland hatten unter zahlreichen Sturmfluten gelitten. So riss das Meer etwa bei der Sturmflut am 1.  November 1170 die Zuidersee, das heutige Ijsselmeer, auf und die Inseln Texel und Wieringen entstanden und schon vorher suchten zahlreiche Sturmfluten die Küsten heim. Diese Siedler führten an neuen Techniken die Dreifelderwirtschaft, den Eisenpflug und damit den Getreideanbau ein. Wann genau diese Bauern in Golm ansässig wurden, lässt sich nicht genau nachweisen, man kann aber annehmen, dass dies bald nach der Gründung der Mark geschah und dass in den Dörfern dann bald Kirchen errichtet wurden – möglicherweise zunächst einfache Holz- oder Fachwerkgebäude. Eine Besonderheit in der neu gegründeten Mark Brandenburg war, dass die Dorfgemeinschaften von Anfang an Wert auf eine eigene Kirche im Dorf legten, da es keine dichte Klosterlandschaft und keine Struktur von Mutter- und Filialkirchen gab, wie im restlichen Teil des Deutschen Reiches.

Die Frage, welche Adeligen zu Beginn der Entwicklung des Dorfes Golm aus seiner slawischen Vorläufersiedlung Chełm hier ansässig waren, konnte bisher nicht geklärt werden. Im Jahre 1239 wurde Berlin-Cölln erstmals erwähnt und wurde von den Askaniern im Bemühen einen Zugang zur Oder und damit Ostsee zu erhalten ausgebaut. Das Ende des 12. Jahrhunderts als Raststation an der Strecke zwischen Spandau und Saarmund gegründete Dorf Düppel in Berlin gibt als sehenswertes Museumsdorf einen Eindruck davon, wie in dieser Zeit Dörfer, vielleicht auch Golm, aussahen und wie gewirtschaftet wurde.

Was geschah in der Zeit als unser Kirchlein erstmals erwähnt wurde noch? Im Jahre 1289 war der Askanier Konrad II Markgraf in Brandenburg und Rudolf der I von Habsburg war deutscher König und begründete die Habsburger Dynastie und beendete damit die Zeit des Interregnums. Über das Jahr 1289 lässt sich noch berichten, dass in ganz Europa als Teil des mittelalterlichen Klimaoptimums ein warmer Winter und warmer Sommer herrschte. Es ist sogar der wärmste bis zum Winter 2006/07. Seit 1271 befand sich Marco Polo auf seiner bis 1295 währenden ersten Reise nach China. Kublai Khan, ein Enkel Dschingis Khans, war Kaiser in China. In Frankreich wurde durch Papst Nikolaus IV. die Universität Montpellier gegründet und Albertus Magnus lehrte in Köln.

Einfach wie sie ist, steht die Golmer Dorfkirche also für über 800 Jahre Geschichte in Brandenburg und in diesem Jahr 729 Jahre dokumentierter Geschichte des Ortes Golm. Von der Zeit schwer mitgenommen, ist es nun unsere Aufgabe, sie zu erhalten.

Letzte Änderung am: 29.03.2022